Geschichte

   

Auszüge aus dem Buch "Die Mühlen des Luxemburger Landes" von Emile ERPELDING

 
Gotthard von Brandenburg gestattet 1429 Bernhard von Bourscheid die Anlage eines Wehrs zur neuen Mühle an der Sauer. 1506: Johann, der alte “Mühlner“ von Bourscheid, ist Untermarktvogt von Diekirch. Der Herr von Bourscheid und seine Gattin Marguerite d’Autel verpflichten sich 1529 jährlich am Andreastag dem Herrn von Brandenburg einen halben Malter Roggen wegen ihrer Mühle am Fuß des Schlossberges abzuliefern. 1565: Verkauf des Zandtschen Anteils der Mühle an Karl und Dietrich von Metternich. 1662-1667: Rechnung der Baukosten von Schloß und Mühle Bourscheid durch Johann-Heinrich Veyder, Amtmann der Herrschaft Malberg. 1685: Pachtvertrag der Mühle zwischen Marie Treip und Jean-François Tesch.

1714: Aufbau der Bannmühle durch Freiherrn von Metternich und Ehefrau; Wappenstein mit Jahreszahl im Giebel der Mühle. Die vorige Mühle lag etwa 500 m oberhalb der jetzigen. Flurname: “bei der aler Millen“. 1717: Der Rechtsverwalter J.Th. Marnach lässt durch Notar Welther aus Diekirch die Untertanen aus Hoscheid auffordern, die zum Bau der Mühle nötigen Transport-und Handlangerdienste zu tun. Die Pfarrei Bourscheid klagt 1723 gegen den Müller, der seine Quote an Fuhren und Apperschaft beim Bau der Pfarrkirche nicht leistet. 1724: Appell gegen das Urteil, da der Müller freigesprochen wurde. Der französische Kriegsbeamte zu Nidentfeld P.H. Faraije stellt 1729 dem Bourscheider Müller Passierscheine zum Transport von Mühlsteinen aus. 1742: Das Hochgericht der Herrschaft Bourscheid verurteilt einen Untertan aus Bürden zu einer Buße von 30 Goldgulden, weil er nicht auf der Bannmühle hat mahlen lassen und auch keine Fahrten für die Mühle geleistet hat.

1760: Vermögensaufstellung der Herrschaft Bourscheid. Zur Bannmühle sind Bourscheid, Michelau, Bürden und Hoscheid gebannt. Verpflichtung zu Frondiensten beim Unterhalt der Mühle, des Deiches, der Schleusen, des Wehrs, des Mühlsteintransports. Einnahme: 17 Malter Roggen, ein Malter Hafermehl, ein Schwein, 12 Taler, 100 Eier, ein Zicklein, 45 Aale und 4 Pfund Gewürze. 1775 wird Anne Majerus, Witwe von Peter Dhrees von der Bourscheider Mühle mit Peter Koch aus der Bleesmühle verheiratet. 1787: Mühle im Gerichtszwang des Königlichen Sitzes in Diekirch erwähnt. 1788: Thomas Dhrees, Sohn der Eheleute Peter Dhrees und Anne Majerus aus der Bourscheider Mühle, heiratet Anna-Maria Trausch aus Fentingen. 1803: Besitzer ist Loeis.

1810: Prozeß zwischen François-Joseph von Schmitburg und dem Müller Michel Threes. 1812: Mühle mit Bering von Frédéric Kremer, Ackerer aus Alscheid, für 10 302 F gesteigert. Er und sein Schwiegervater Bernard Mathieu verpachten die Mühle an Johann Hirsch von Michelau. 1819: Notar Vannerus bestätigt, von Marie Mathieu, Witwe von Frédéric Kremer, die Summe von 10 302 F erhalten zu haben. 1824: Pierre Mersch, zweiter Mann von Marie Mathieu, steht im Kataster als Besitzer eingetragen. 1827: Bernard Mathieu ist Mitbesitzer der Mühle. Nicolas Kremer, Sohn von Frédéric Kremer, führt die Mühle weiter. 1854 verlegt er das Mühlenwehr 600 m oberhalb seiner Mühle. Das alte Wehr liegt direkt oberhalb der Mühle und wird entfernt. Nic Kremer fügt seiner Mühle zwei Gänge hinzu, einen für Mehl und einen zum Betrieb einer Oelmühle. Mit vier Wasserädern von 4 m Durchmesser und einer Breite von 0,80 m wurden die Mühlen angetrieben. Nicolas Kremer ist in 1. Ehe mit Maria Mersch aus Bourscheid, in zweiter Ehe mit Joséphine Welter aus Buschrodt verheiratet. Martin, Sohn aus zweiter Ehe, heiratet 1893 Marguerite Winandy aus Welscheid. 

         

1895: Bau der Sauerbrücke unweit der Mühle. Diese Brücke mit nur einem Bogen (heute 3 Bögen) diente dem damaligen Ingenieur Michel Rodange als Modell für den Bau der Adolphe-Brücke in Luxemburg/Stadt. 1896: André Bourgmeyer, Knecht, beim Herbeifahren von Getreide tödlich verunglückt. 1911: Eigene Stromerzeugung. 1917: Forderung der Bevölkerung an die Regierung, die Mühle wieder zu öffnen, da sie wegen Anwendung strenger Kriegsgesetze geschlossen worden war. Tod von Martin Kremer. Weiterführung des Betriebs gemeinsam durch die Geschwister Kremer. 1918: Neueinrichtung mit Walzenstühlen und Plansichtern durch Mühlenbauer Oth. Mühlrad ersetzt durch Turbine. Nach dem 1. Weltkrieg Ausbau des Mühlengebäudes zum kleinen Hotelbetrieb. 1929: Bau eines neuen großen Hotels bei der Brücke mit dem Namen “Hôtel du Moulin“. Ende der Mehlerzeugung in der Mühle. Es wird bis 1950 für die Bauern geschrotet. 1944-1945: Während der Rundstedtoffensive finden 18 Personen Unterschlupf in der Mühle. 1945: Sprengung der Brücke durch die abziehenden Deutschen. Besitzerin der Mühle ist momentan die Witwe von Aloyse Kremer, Barbe Schmit (Michelau). Das “Hôtel du Moulin“ wird vom Sohn des Ehepaars Jos Kremer – Agnes Jucken (Untereisenbach), Charles Kremer, geführt.

Die touristische Entwicklung der Bourscheider Mühle.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde also das Mühlengebäude zu einem kleinen Beherbergungsbetrieb ausgebaut. Diente bis 1929 die Mühle hauptsächlich zur Mehlerzeugung so mußte ab diesem Zeitpunkt der Mühlenbetrieb aus ökonomischen Gründen eingestellt werden, der landwirtschaftliche Betrieb sowie der Hotelbetrieb wurden jedoch intensiver weitergeführt.

           

Da immer mehr Leute diesen romantischen Abschnitt des Sauertales und der Luxemburger Ardennen entdeckten und demnach in großen Scharen, hauptsächlich an den Wochenenden , zur Bourscheider Mühle kamen um neben gutem Essen gemütliche Stunden an den Ufern der Sauer zu verbringen, baute die Familie Kremer im selben Jahr obengenanntes neue Hotel, etwa hundert Meter von dem bestehenden Mühlengebäude entfernt. Für die Badegäste wurde eigens neben dem Mühlenwehr ein Umkleideraum sowie ein Getränkeverkaufsstand errichtet.

Familienmitglied Aloyse Kremer heiratete im Jahre 1946 Barbe Schmit aus Michelau. Aus dieser Ehe stammen zwei Söhne, Alex und Georges sowie eine Tochter, Marie-Jeanne. Aloyse Kremer, inzwischen Besitzer der Mühle sowie der längs der Sauer liegenden Wiesengrundstücke, erkannte die Marktlücke “Campingtourismus“ und begann Ende der fünfziger Jahre mit dem Aufbau des ersten Campingplatzes “du Moulin“, welcher 1967 nach vielen aufeinanderfolgenden Bauabschnitten als Campingplatz 1. Klasse vom damaligen Minister Henri Cravatte offiziell eingeweiht wurde.

        

Mitte der 60er Jahre trennten sich die Geschwister Kremer definitiv voneinander und da Aloyse Kremer, trotz tatkräftiger Untersstützung seiner Ehefrau sowie seinen 3 Kindern dem zunehmenden Touristenstrom nicht mehr Stand hielt, beschloß er unterhalb der Mühle einen zweiten Campingplatz, “um Gritt“, neu anzulegen.

Im Jahre 1977 übergab Aloyse Kremer die beiden Campings an seine Kinder.

"Camping du Moulin“ wird auch heute noch von Tochter Marie-Jeanne Kremer geleitet.

Aloyse Kremer verstarb im Jahre 1988. Seine Ehefrau (verstorben 2011) eröffnete zusammen mit seinen 3 Kindern im Jahre 1993  im Elternhaus ein Gasthaus, das als Bereicherung galt für die beiden Campingplätze sowie für die ganze Umgebung. Heute ist die Brasserie/Restaurant "Am Keller" mit seinem alten Gemäuer ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt.

     

      

Es wird geleitet von  Roy Beugels und Lynn Baulisch die sich mit ihrer sympatischen Art in Luxemburg sowie auch über die Grenzen hinaus bekannt gemacht haben.

      www.amkeller.lu                                                

 

Renovationsarbeiten wurden während den Wintermonaten 2014/2015 durchgeführt.

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